Heute, 01:31
Bei der letzten HU hat mein alter Prüfer entdeckt, dass die Handbremse auf der Fahrerseite ziemlich schwach ist.
Es hat mich etwas verwundert, da ich die Dinger vorher immer leicht schleifend einstelle, wie man das halt so macht
und dann kommt man normalerweise mehr oder weniger problemlos durch.
Aber ich hatte neue Offset Trailingsarms drin, sowie neuen Handbremsenhardware.
Durch die Offset Trailingsarms wird das Handbremsseil ungünstiger geführt, statt in einem Bogen unten entlang,
geht es in S-Kurve nach oben.
Naja, 2 Jahre vergessen den ganzen Kram, die Kiste bleibt auch mit nicht so guter Handbremse stehen.
Jetzt ist es wieder soweit, also alles wieder eingestellt wie immer. Aber dieses mal die Bremswirkung getestet.
Ich hatte mir mal ein Flacheisen mit 2 Löchern gemacht, das kann man auf die Radnabe stecken, 75cm lang.
Beifahrerseite war ok, aber Fahrerseite wieder viel zu schlecht. Ca. 1/4 vom Sollwert.
Ich habe alles was man an konventionellen Maßnahmen machen kann durchgeführt, Seile geschmiert, Trommel aufgeraut,
Beläge angeschliffen, so stramm eingestellt wie es geht. Hat alles kaum was gebracht.
Also ging es an die Mechanik an sich. Dabei etwas wissenswertes herausgefunden: Die Geometrie vom Spreizer und die
Durchführung im Ankerblech sind scheisse!
1. Der Spreizer hat die Eigenschaft je weiter er gezogen wird, desto mehr Kraft wird gebraucht. Das sollte eigentlich umgekehrt sein.
Die Bremsbacke wird wie aus einer Schere heraus gedrückt. Das funktioniert nur, wenn der Druckpunkt sehr knapp eingestellt ist.
2. Jenachdem wie die Geometrie der Bremsbacken in der Trommel ist, kann es sein, dass der Hebel vom Spreizer an der Durchführung
durch das Ankerblech ansteht. Theoretisch funktioniert die Spreizung dann immer noch, praktisch aber nicht. Wenn der Hebel dort anschlägt ist Sense.
Daher muss das Ding immer so eingestellt sein, dass der Hebel so weit es geht hinten liegt.
Aber ich konnte machen was man wollte, egal wie viel Kraft da drauf kam, ich konnte die Trommel durchdrehen. Als ob die Beläge einfach durchflutschen.
Also habe ich die Mechanik neu konstruiert.
Hier mal das Original:
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse4.jpg
Und hier die finale Lösung.
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse5.jpg
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse6.jpg
Es hat 4 vorige Versionen gebraucht um bis dahin zu kommen.
Die Geometrie ist besser, der Umlenkpunkt wandert beim Anziehen zwischen die Backen. Zudem ist der Hebelarm verlängert.
In Summe sollte es mindestens doppelt so viel Kraft erzeugen, dafür wird mehr Weg am Handbremsseil benötigt.
Das eine spürbare Verbesserung gebracht, aber noch nicht die 100% Lösung.
Die Beläge (Edelstahl Variante) haben sich noch immer beschissen "grip-los" angefühlt.
Also habe ich mir welche von Bosch besorgt. Die sind etwas besser, aber Problem noch immer nicht gelöst.
Dann bin ich auf das hier gestoßen:
https://www.ebay.de/itm/303775960937
Rohmaterial Beral 1106 für Trommelbremsbacken
Nach Datenblatt 50-100% mehr Reibwert als normale Beläge.
Dafür wohl mehr Verschleiss, aber das ist bei einer Handbremse ja kein Thema.
Also wurde das gekauft und ein Satz umgerüstet, Nietwerkzeug selbst gemacht:
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse1.jpg
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse2.jpg
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse3.jpg
Erster Test von Hand in der Trommel war super. Während die normalen Beläge in der Trommel einfach durchflutschen zeigt
das Zeug tatsächlich eine spürbare Bremswirkung.
Das hat sich dann auch nach dem Einbau bestätigt. Plötzlich Sensationswerte.
Ich habe mir noch einen Adapter gemacht, damit ich den großen Drehmomentschlüssel auf die Radnabe bekomme:
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse7.jpg
Damit konnte ich messen, dass ca. 440Nm erreicht werden, was 1333kn entspricht. Das ist so ziemlich das was mach für die HU erreichen muss.
Ich hatte im anderen Thread ja schon gefragt wie es sein kann, dass da regelmäßig 1700 usw. drin steht. Das ist alles Fake, so gut war die
Bremse niemals. Die Prüfer drücken bei der Handbremse alle Augen zu, solange es halbwegs gut bremst. Die Werte werden manuell ins Protokoll eingetragen.
Für euch als Hilfestellung, macht euch einfach das Eisen mit den 2 Löchern. Die Handbremskraft ist dann ausreichend, wenn man mit dem Flacheisen
den ausgefederten Trailingarm anfängt anzuheben. (Das Eisen zeigt nach hinten, unter die Stoßstange)
Meine Handbremse lässt sich jetzt ziehen wie immer. Allerdings bleibt das Auto am Hang jetzt schon auf mittlerer Stellung vom Hebel stehen.
Dazu musste man früher etwas strammer ziehen.
Wer also Probleme mit der Handbremse hat: Baut euch diese Bremsbeläge.
Ich bin jetzt ein paar Probe-km gefahren, ja, die Trommeln werden etwas warm, weil schleifend eingestellt. Ich gehe davon aus das schleift sich noch ein.
Deswegen das Fragezeichen. Es quitscht jedenfalls nicht, nur wenn man während der Fahrt am Hebel zieht.
Der Langzeittest steht jedenfalls noch aus.
In Summe ist das alles aber ein Trauerspiel, wenn ich das mit meinem 190er vergleiche. Dessen Trommel ist kleiner, ich habe das vor 10 Jahren mal neu gemacht, ohne besonders Hirnschmalz und Abstimmung rein zu stecken. Das funktioniert heute noch top und mit halber Zugkraft kann man während der Fahrt die Räder blockieren. Wo genau der Trick liegt habe ich noch nicht herausgefunden. Der Spreizer hat keine bessere Geometrie von Hebelverhältnissen her.
Es hat mich etwas verwundert, da ich die Dinger vorher immer leicht schleifend einstelle, wie man das halt so macht
und dann kommt man normalerweise mehr oder weniger problemlos durch.
Aber ich hatte neue Offset Trailingsarms drin, sowie neuen Handbremsenhardware.
Durch die Offset Trailingsarms wird das Handbremsseil ungünstiger geführt, statt in einem Bogen unten entlang,
geht es in S-Kurve nach oben.
Naja, 2 Jahre vergessen den ganzen Kram, die Kiste bleibt auch mit nicht so guter Handbremse stehen.
Jetzt ist es wieder soweit, also alles wieder eingestellt wie immer. Aber dieses mal die Bremswirkung getestet.
Ich hatte mir mal ein Flacheisen mit 2 Löchern gemacht, das kann man auf die Radnabe stecken, 75cm lang.
Beifahrerseite war ok, aber Fahrerseite wieder viel zu schlecht. Ca. 1/4 vom Sollwert.
Ich habe alles was man an konventionellen Maßnahmen machen kann durchgeführt, Seile geschmiert, Trommel aufgeraut,
Beläge angeschliffen, so stramm eingestellt wie es geht. Hat alles kaum was gebracht.
Also ging es an die Mechanik an sich. Dabei etwas wissenswertes herausgefunden: Die Geometrie vom Spreizer und die
Durchführung im Ankerblech sind scheisse!
1. Der Spreizer hat die Eigenschaft je weiter er gezogen wird, desto mehr Kraft wird gebraucht. Das sollte eigentlich umgekehrt sein.
Die Bremsbacke wird wie aus einer Schere heraus gedrückt. Das funktioniert nur, wenn der Druckpunkt sehr knapp eingestellt ist.
2. Jenachdem wie die Geometrie der Bremsbacken in der Trommel ist, kann es sein, dass der Hebel vom Spreizer an der Durchführung
durch das Ankerblech ansteht. Theoretisch funktioniert die Spreizung dann immer noch, praktisch aber nicht. Wenn der Hebel dort anschlägt ist Sense.
Daher muss das Ding immer so eingestellt sein, dass der Hebel so weit es geht hinten liegt.
Aber ich konnte machen was man wollte, egal wie viel Kraft da drauf kam, ich konnte die Trommel durchdrehen. Als ob die Beläge einfach durchflutschen.
Also habe ich die Mechanik neu konstruiert.
Hier mal das Original:
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse4.jpg
Und hier die finale Lösung.
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse5.jpg
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse6.jpg
Es hat 4 vorige Versionen gebraucht um bis dahin zu kommen.
Die Geometrie ist besser, der Umlenkpunkt wandert beim Anziehen zwischen die Backen. Zudem ist der Hebelarm verlängert.
In Summe sollte es mindestens doppelt so viel Kraft erzeugen, dafür wird mehr Weg am Handbremsseil benötigt.
Das eine spürbare Verbesserung gebracht, aber noch nicht die 100% Lösung.
Die Beläge (Edelstahl Variante) haben sich noch immer beschissen "grip-los" angefühlt.
Also habe ich mir welche von Bosch besorgt. Die sind etwas besser, aber Problem noch immer nicht gelöst.
Dann bin ich auf das hier gestoßen:
https://www.ebay.de/itm/303775960937
Rohmaterial Beral 1106 für Trommelbremsbacken
Nach Datenblatt 50-100% mehr Reibwert als normale Beläge.
Dafür wohl mehr Verschleiss, aber das ist bei einer Handbremse ja kein Thema.
Also wurde das gekauft und ein Satz umgerüstet, Nietwerkzeug selbst gemacht:
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse1.jpg
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse2.jpg
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse3.jpg
Erster Test von Hand in der Trommel war super. Während die normalen Beläge in der Trommel einfach durchflutschen zeigt
das Zeug tatsächlich eine spürbare Bremswirkung.
Das hat sich dann auch nach dem Einbau bestätigt. Plötzlich Sensationswerte.
Ich habe mir noch einen Adapter gemacht, damit ich den großen Drehmomentschlüssel auf die Radnabe bekomme:
http://zuendler.com/corvette-seite/resto...remse7.jpg
Damit konnte ich messen, dass ca. 440Nm erreicht werden, was 1333kn entspricht. Das ist so ziemlich das was mach für die HU erreichen muss.
Ich hatte im anderen Thread ja schon gefragt wie es sein kann, dass da regelmäßig 1700 usw. drin steht. Das ist alles Fake, so gut war die
Bremse niemals. Die Prüfer drücken bei der Handbremse alle Augen zu, solange es halbwegs gut bremst. Die Werte werden manuell ins Protokoll eingetragen.
Für euch als Hilfestellung, macht euch einfach das Eisen mit den 2 Löchern. Die Handbremskraft ist dann ausreichend, wenn man mit dem Flacheisen
den ausgefederten Trailingarm anfängt anzuheben. (Das Eisen zeigt nach hinten, unter die Stoßstange)
Meine Handbremse lässt sich jetzt ziehen wie immer. Allerdings bleibt das Auto am Hang jetzt schon auf mittlerer Stellung vom Hebel stehen.
Dazu musste man früher etwas strammer ziehen.
Wer also Probleme mit der Handbremse hat: Baut euch diese Bremsbeläge.
Ich bin jetzt ein paar Probe-km gefahren, ja, die Trommeln werden etwas warm, weil schleifend eingestellt. Ich gehe davon aus das schleift sich noch ein.
Deswegen das Fragezeichen. Es quitscht jedenfalls nicht, nur wenn man während der Fahrt am Hebel zieht.
Der Langzeittest steht jedenfalls noch aus.
In Summe ist das alles aber ein Trauerspiel, wenn ich das mit meinem 190er vergleiche. Dessen Trommel ist kleiner, ich habe das vor 10 Jahren mal neu gemacht, ohne besonders Hirnschmalz und Abstimmung rein zu stecken. Das funktioniert heute noch top und mit halber Zugkraft kann man während der Fahrt die Räder blockieren. Wo genau der Trick liegt habe ich noch nicht herausgefunden. Der Spreizer hat keine bessere Geometrie von Hebelverhältnissen her.
gruss,
zuendler
zuendler


